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News der Mitglieder

06.02.2022
Letter from Oper Dortmund
voller Optimismus blicken wir in dieses noch junge Jahr 2022, in dem hoffentlich unser so lang ersehnter Wagner-Kosmos III „Wahn der Eroberung“ endlich stattfinden wird

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder des Richard-Wagner-Verbandes,

voller Optimismus blicken wir in dieses noch junge Jahr 2022, in dem hoffentlich unser so lang ersehnter Wagner-Kosmos III „Wahn der Eroberung“ endlich stattfinden wird. Denn nach wie vor plant die Oper Dortmund jedes Jahr im zeitlichen Kontext zu Richard Wagners Geburtstag ein Festivalformat mit angeschlossenem Symposion, das die Neuinszenierung einer Wagneroper mit Neuinszenierungen zwei weiterer Opern verbindet, mit Neuinszenierungen historisch wichtiger Werke von Vorläufern, Zeitgenossen, Antipoden und Nachfolgern Wagners, zuweilen auch Uraufführungen mit Bezug zu Wagner.

Beim Wagner-Kosmos III (20. – 22. Mai 2022) steht die Premiere von Richard Wagners Die Walküre im Mittelpunkt, flankiert von zwei erstmalig im deutschsprachigen Raum gezeigten französischen Opern: Fernand Cortez (3. Fassung in französischer Sprache) und Frédégonde. Während Altmeister Peter Konwitschny mit der Walküre den Dortmunder Ring-Zyklus eröffnet, zeichnen sich für die beiden anderen Werke zwei hochinteressante junge Regisseurinnen aus Deutschland und Frankreich verantwortlich: Eva-Maria Höckmayr und Marie-Eve Signeyrole.

Der Wagner-Kosmos III steht somit im Zeichen des deutsch-französischen Austauschs, der allerdings nicht immer in solch harmonischen Bahnen verlief: Gaspare Spontini, lange Zeit Generalmusikdirektor in Berlin, war für die deutschen Komponisten ein Symbol der italienischen und französischen Übermacht auf musiktheatraler Ebene. Wie Ironie wirkt es, dass seine für den Berliner Hof bearbeitete Oper Fernand Cortez ursprünglich von Napoleon in Auftrag gegeben wurde und die Eroberung Mexikos zum Thema hat.

Acht Jahrzehnte später entstand Frédégonde (Ernest Guiraud/Camille Saint-Saëns), zur Hochzeit des Wagnérisme in Frankreich – und der dazugehörigen Gegenbewegung, die sich gegen einen übermäßigen Einfluss des deutschen Komponisten wehrte und einen französischen Nationalstil in der Oper forderte. Das Sujet ist ebenfalls vom Willen nach Macht und Einfluss geprägt: Stand das musikalische 19. Jahrhundert im Wahn der Eroberung beziehungsweise der Angst vor dem Erobert-werden?

Begleitet wird das Festival von einem interdisziplinären Symposion, in dem diese Frage verhandelt wird, u. a. von Dr. Louis Delpech (Universität Zürich), Prof. Dr. Anselm Gerhard (Universität Bern), Prof. Dr. Inga Mai Groote (Universität Zürich), Prof. Dr. Arnold Jacobshagen (HfMT Köln), Prof. Dr. Anno Mungen (Universität Bayreuth), Prof. Dr. Klaus Pietschmann (Universität Mainz) und Albrecht Thiemann (Journalist). Als besonderer Gast wird der renommierte New Yorker Musikkritiker Alex Ross sprechen, der mit seinem Buch Die Welt nach Wagner eine beeindruckende Analyse über die kulturgeschichtliche Wirkung des umtriebigen Komponisten geschaffen hat.

Wir hoffen sehr, Sie im Mai 2022 zum Wagner-Kosmos III in Dortmund begrüßen zu dürfen!

Mit freundlichen Grüßen,
Heribert Germeshausen