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2. Nov 2020
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Industrie-Club e.V. Düsseldorf
RWV Düsseldorf setzt seine Vortragsreihe zu Wagner und Frankreich fort mit dem Vortrag: "Moderne Duett-Strategien in Giacomo Meyerbeers Les Huguenots und Richard Wagners Tristan und Isolde“
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vorstand@rwvduesseldorf.de 
 
Vom Scheitern der Liebe zur Verklärung des Todes

Moderne Duett-Strategien in Giacomo Meyerbeers Hugenotten und Richard Wagners Tristan und Isolde


von Prof. Dr. Jürgen Schläder, Düsseldorf
Professor für Theaterwissenschaft mit Schwerpunkt Musiktheater i.R.
Ludwig-Maximilians-Universität München

Montag, 2. November 2020, 19:00 Uhr

Industrie-Club e.V. Düsseldorf
Elberfelder Str. 6 (neben dem Steigenberger Parkhotel), 40213 Düsseldorf

Der Vortrag

Zwischen 1830 und 1865 entwickelten Giacomo Meyerbeer und Richard Wagner eine innovative Dramaturgie für das musikalische Drama. Das Musiktheater sollte endlich auf dem Niveau des Sprechtheaters ankommen. Die Handlung sollte statt in einer Reihung von klingenden Einzelstücken in einem musikalischen Diskurs formuliert werden. Die Zwei-Personen-Szene, das mehrteilige Opernduett, rückte ins Zentrum der musikdramatischen Überlegungen. 

Meyerbeer gelang 1836 in den Hugenotten eine Duettszene, in der durch mehrfache Affektumschläge und in die Szene hereindringende äußere Ereignisse eine große, völkerverbindende Liebe eines Hugenotten und einer Katholikin zerstört wird. Diese Duettszene war für alle Kenner und Komponisten, auch für Wagner, das glühend bewunderte Vorbild für eine neue Form der Duett-Szene. 

Wagner lieferte knapp drei Jahrzehnte später in Tristan und Isolde einen dem Meyerbeer-Duett vergleichbaren künstlerisch-theatralen Coup, indem er im Duett des 2. Aktes die konkrete Individualisierung, die Einmaligkeit eines jeden Musikdramas erfand.

Tristans und Isoldes Diskurs im Duett des 2. Aktes formuliert die wachsende Erkenntnis der Liebenden, die Erfüllung der Liebe nur in einer anderen Welt, in einem gedanklichen, nicht mehr realen Bewußtseins- und Lebensraum erreichen zu können.

Musik mit mehr als 30 oder gar 40 Minuten Aufführungsdauer lässt sich kaum angemessen hören und verstehen, wenn man sie nicht genau kennt. Deshalb werden im Vortrag u.a. die Form und die Dramaturgie der beiden Duette in schematischen Darstellungen gezeigt, anhand derer man die Musik auch in ihren ungewöhnlichen Dimensionen leicht entschlüsseln kann.

Das Wissen um die kompositorischen Effekte, aber auch der Genuss der grandiosen Musik wird sich in beiden Duetten für alle Teilnehmer*innen steigern.

Prof. Dr. Jürgen Schläder

Prof. Dr. Jürgen Schläder ist Theater- und Musikwissenschaftler. Er studierte Germanistik und Musikwissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und wurde 1978 promoviert. 1986 habilitierte er sich mit dem Thema „Das Opernduett - Ein Szenentypus des 19. Jahrhunderts und seine Vorgeschichte“. Ab 1987 war er Professor für Theaterwissenschaft mit dem Schwerpunkt Musiktheater an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.


©Emil Zander

Seine aktuellen Forschungsschwerpunkte sind: Ästhetische Grundlagen und Analyse des zeitgenössischen Regietheaters sowie experimentelle Formen des neuesten Musik- und Tanztheaters. 


Richard-Wagner-Verband Düsseldorf e.V.