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07.04.2026
"Siegfried" aus dem Londoner ROH in 1.500 Kinos in 50 Ländern
Fotos: The Royal Opera ©2026 Monika Rittershaus.
Vor Kurzem wurde ich gefragt, welche Der Ring des Nibelungen-Inszenierung meine Liebste sei. Anfang dieses Jahres hatte ich sehr positiv über David McVicars neuen Ring an der Mailänder Scala geschrieben, daher schien die Frage zunächst leicht zu beantworten. Doch sie erwies sich als überraschend schwierig. Ohne Zweifel würde der Chéreau-Ring wohl immer mein Favorit bleiben – obwohl ich ihn nie live erlebt habe. Darüber hinaus habe ich jedoch mindestens zehn verschiedene Produktionen gesehen, und eine eindeutige Wahl fiel mir schwer.
Wenn man mich heute jedoch fragen würde, welcher Siegfried über allen anderen steht, gäbe es kein Zögern: Barrie Koskys Siegfried in London.
Ich muss gestehen, dass ich Siegfried immer als eine schwierige Oper empfunden habe. Tatsächlich war es sogar meine erste Wagner-Oper. Als Student an der Musikhochschule Hannover besuchte ich gemeinsam mit Kommilitonen eine Aufführung. Während des ersten Aufzugs fühlte ich mich äußerst gelangweilt und kaum angesprochen – zwei Tenöre, die scheinbar endlos aufeinander einbrüllen, so kam es mir damals vor. Ich war versucht zu gehen, wollte dies aber meinen Freunden gegenüber nicht zugeben. Also blieb ich die gesamten fünf Stunden. Am Ende jedoch machte die letzte Stunde alles wett – Wagner spart seine größte Inspiration schließlich selten für den Schluss auf.
Noch vor Kurzem, bei McVicars Siegfried in Mailand, ertappte ich mich im ersten Aufzug erneut dabei, dass ich mich schwer tat, und dachte, dass mich die Musik nie vollständig überzeugt habe – auch wenn es ansonsten wenig zu kritisieren gab.
Einige Wochen später kam ich zufällig nach London, um einen Freund zu besuchen. Dabei entdeckte ich, dass Barrie Koskys Siegfried, Teil seines entstehenden neuen Ring-Zyklus, während meines Aufenthalts gespielt wurde. Eine Karte zu bekommen war nicht einfach, aber es gelang – wie so oft. Zuvor hatte ich bereits Koskys Die Walküre im Kino in Reykjavík gesehen und war durchaus beeindruckt gewesen. Dennoch hatte mich nichts auf das vorbereitet, was ich nun erleben sollte.
Dieser Siegfried wurde ohne jeden Zweifel die beste Opernproduktion, die ich je gesehen habe. Alle früheren Gefühle von Langeweile und Distanz verschwanden vollständig. Was hatte sich verändert?
Beginnen wir mit dem ersten Aufzug. Andreas Schager gestaltet den Siegfried von der ersten Sekunde an elektrisierend. Seine jugendliche Körperlichkeit, seine fast kindliche Begeisterung und seine rastlose Bühnenpräsenz sind vollkommen überzeugend. Ebenso beeindruckend ist seine unerschöpfliche Energie bis zum Schluss. Koskys Inszenierung verleiht der Figur eine bemerkenswerte psychologische Tiefe: Wir erleben Siegfrieds Identitätskrise, während er isoliert mit dem grotesken Mime aufwächst, ohne andere Gesellschaft als die Tiere und Vögel des Waldes. Er beobachtet sie – ihre Familienstrukturen, ihre Bindungen – und setzt sie in Beziehung zu seiner eigenen Situation. Kann dieser abstoßende Mime wirklich sein Vater sein? Und was ist mit seiner Mutter?
Obwohl er verzweifelt danach strebt, Mime zu entkommen, kehrt er immer wieder zu ihm zurück – getrieben von dem Bedürfnis, seine Herkunft zu ergründen, selbst wenn er ihm die Wahrheit abringen muss. Trotz der Trostlosigkeit seiner Lage bleibt er lebendig, neugierig und voller Energie. Schagers Leistung ist darstellerisch wie vokal außergewöhnlich. Er scheint für diese Rolle geschaffen, singt mit Leichtigkeit, Klarheit und Autorität.
Auch Peter Hoares Mime ist bemerkenswert. Die Rolle bietet unzählige Möglichkeiten grotesker Charakterzeichnung, und Hoare nutzt sie alle. Sein Mime ist eine Meisterklasse des darstellerischen Ausdrucks: jede Geste, jede Mimik, jede vokale Nuance ist präzise gestaltet. Wie ein Kritiker treffend formulierte, ist er „die Verkörperung inkompetenter Bosheit“. Diese Interpretation wird in Erinnerung bleiben – und das zu Recht.
Doch es ist nicht allein die Brillanz dieser Leistungen, getragen von Koskys souveräner Regie und Antonio Pappanos aufschlussreicher musikalischer Leitung, die diese Produktion so überzeugend macht. Pappano erschließt eine Fülle neuer Klangfarben und lässt die Partitur wie neu entdeckt erscheinen.
Auch die visuelle Welt ist eindrucksvoll. Der erste Aufzug beginnt mit einem beinahe märchenhaften Bild: Mimes Hütte thront hoch oben in einem Baum und ist nur über eine steile Leiter erreichbar. In wachsender Frustration hämmert Mime vergeblich auf den Schwertfragmenten herum und schlägt sich im Takt des Orchesters sogar den Helm gegen den Kopf. Als er vom Wanderer erfährt, dass nur der Furchtlose Nothung neu schmieden kann, erkennt er, dass allein Siegfried dazu fähig ist.
Die Schmiedeszene wird zu einem theatralischen Spektakel von erstaunlicher Fantasie. Siegfried bringt komplexe, beinahe surreale Maschinen auf die Bühne – von einer Art, wie man sie noch nie gesehen hat – begleitet von Lärm, Rauch und Feuer, während das Schwert eingeschmolzen und neu geschmiedet wird. Seine überschäumende Energie bleibt dabei ungebrochen.
Der zweite Aufzug bringt einen vollständigen Wandel. Fafners Höhle erscheint als Haus auf einem schneebedeckten Hügel. Erda ist durchgehend präsent, oft auf einer Bank sitzend, und fungiert als eine Art visuelles Leitmotiv des gesamten Zyklus – meist unbekleidet. Während der Waldvogel-Szene übernimmt sie sogar die Rolle des Vogels, mit Federn und verlängerten Fingern, und bewegt die Lippen, als würde sie selbst singen.
Das Wechselspiel zwischen Siegfried und Mime erreicht hier neue komische Höhen. Fafner erscheint nicht als Drache, sondern als eine hoch aufragende, ganz in Gold gehüllte Gestalt, und seine Konfrontation mit Siegfried ist von überraschendem Humor geprägt, der zeitweise fast an Chaplin erinnert, bevor er schließlich stirbt.
Der dritte Aufzug beginnt mit einem starken Bild: Erda erhebt sich aus einem Berg von Kleidern, während ihr „Doppel“ weiterhin sichtbar bleibt. Christopher Maltmans Wanderer ist eindringlich und vermittelt mit großer Feinheit zunehmende Resignation und Verzweiflung. Die Konfrontation mit Siegfried ist intensiv und hebt dessen jugendliche Ungeduld und Respektlosigkeit hervor.
Dann die letzte Verwandlung: Brünnhildes Felsen ist kein karger Berg, sondern eine farbenprächtige, blühende Wiese. Ein großer Baum dominiert die Bühne, in dessen hohlem Stamm die allgegenwärtige Erda häufig erscheint.
Brünnhilde wird allmählich sichtbar – zunächst eine Hand, die aus der Erde ragt –, bis Elisabeth Strid vollständig erwacht. Ihre Darstellung zeigt eindrucksvoll den tiefgreifenden psychologischen Wandel von der göttlichen Kriegerin zur verletzlichen Frau – nicht ohne innere Konflikte. Ihre anfängliche Zurückhaltung angesichts von Siegfrieds überwältigender Leidenschaft ist fein nuanciert gestaltet.
Das Schlussduett ist sowohl emotional als auch visuell strahlend. Brünnhildes ekstatische Bewegungen über die blumenübersäte Bühne vermitteln eine Freude, die vollkommen verdient wirkt. Das Publikum reagiert mit großer Begeisterung und lang anhaltendem Applaus – ebenfalls vollkommen verdient.
Selma Gudmundsdottir
Das Royal Opera House in London hat erneut bemerkenswerte Großzügigkeit bewiesen, indem es seine Produktionen durch Kinoübertragungen einem weltweiten Publikum zugänglich macht.
Ein Bericht von Selma Gudmundsdottir, verfasst nach einer Live-Aufführung von Siegfried in London und einer weiteren Sichtung eine Woche später im Kino in Wien.
Vor Kurzem wurde ich gefragt, welche Der Ring des Nibelungen-Inszenierung meine Liebste sei. Anfang dieses Jahres hatte ich sehr positiv über David McVicars neuen Ring an der Mailänder Scala geschrieben, daher schien die Frage zunächst leicht zu beantworten. Doch sie erwies sich als überraschend schwierig. Ohne Zweifel würde der Chéreau-Ring wohl immer mein Favorit bleiben – obwohl ich ihn nie live erlebt habe. Darüber hinaus habe ich jedoch mindestens zehn verschiedene Produktionen gesehen, und eine eindeutige Wahl fiel mir schwer.
Wenn man mich heute jedoch fragen würde, welcher Siegfried über allen anderen steht, gäbe es kein Zögern: Barrie Koskys Siegfried in London.
Ich muss gestehen, dass ich Siegfried immer als eine schwierige Oper empfunden habe. Tatsächlich war es sogar meine erste Wagner-Oper. Als Student an der Musikhochschule Hannover besuchte ich gemeinsam mit Kommilitonen eine Aufführung. Während des ersten Aufzugs fühlte ich mich äußerst gelangweilt und kaum angesprochen – zwei Tenöre, die scheinbar endlos aufeinander einbrüllen, so kam es mir damals vor. Ich war versucht zu gehen, wollte dies aber meinen Freunden gegenüber nicht zugeben. Also blieb ich die gesamten fünf Stunden. Am Ende jedoch machte die letzte Stunde alles wett – Wagner spart seine größte Inspiration schließlich selten für den Schluss auf.
Noch vor Kurzem, bei McVicars Siegfried in Mailand, ertappte ich mich im ersten Aufzug erneut dabei, dass ich mich schwer tat, und dachte, dass mich die Musik nie vollständig überzeugt habe – auch wenn es ansonsten wenig zu kritisieren gab.
Einige Wochen später kam ich zufällig nach London, um einen Freund zu besuchen. Dabei entdeckte ich, dass Barrie Koskys Siegfried, Teil seines entstehenden neuen Ring-Zyklus, während meines Aufenthalts gespielt wurde. Eine Karte zu bekommen war nicht einfach, aber es gelang – wie so oft. Zuvor hatte ich bereits Koskys Die Walküre im Kino in Reykjavík gesehen und war durchaus beeindruckt gewesen. Dennoch hatte mich nichts auf das vorbereitet, was ich nun erleben sollte.
Dieser Siegfried wurde ohne jeden Zweifel die beste Opernproduktion, die ich je gesehen habe. Alle früheren Gefühle von Langeweile und Distanz verschwanden vollständig. Was hatte sich verändert?
Beginnen wir mit dem ersten Aufzug. Andreas Schager gestaltet den Siegfried von der ersten Sekunde an elektrisierend. Seine jugendliche Körperlichkeit, seine fast kindliche Begeisterung und seine rastlose Bühnenpräsenz sind vollkommen überzeugend. Ebenso beeindruckend ist seine unerschöpfliche Energie bis zum Schluss. Koskys Inszenierung verleiht der Figur eine bemerkenswerte psychologische Tiefe: Wir erleben Siegfrieds Identitätskrise, während er isoliert mit dem grotesken Mime aufwächst, ohne andere Gesellschaft als die Tiere und Vögel des Waldes. Er beobachtet sie – ihre Familienstrukturen, ihre Bindungen – und setzt sie in Beziehung zu seiner eigenen Situation. Kann dieser abstoßende Mime wirklich sein Vater sein? Und was ist mit seiner Mutter?
Obwohl er verzweifelt danach strebt, Mime zu entkommen, kehrt er immer wieder zu ihm zurück – getrieben von dem Bedürfnis, seine Herkunft zu ergründen, selbst wenn er ihm die Wahrheit abringen muss. Trotz der Trostlosigkeit seiner Lage bleibt er lebendig, neugierig und voller Energie. Schagers Leistung ist darstellerisch wie vokal außergewöhnlich. Er scheint für diese Rolle geschaffen, singt mit Leichtigkeit, Klarheit und Autorität.
Auch Peter Hoares Mime ist bemerkenswert. Die Rolle bietet unzählige Möglichkeiten grotesker Charakterzeichnung, und Hoare nutzt sie alle. Sein Mime ist eine Meisterklasse des darstellerischen Ausdrucks: jede Geste, jede Mimik, jede vokale Nuance ist präzise gestaltet. Wie ein Kritiker treffend formulierte, ist er „die Verkörperung inkompetenter Bosheit“. Diese Interpretation wird in Erinnerung bleiben – und das zu Recht.
Doch es ist nicht allein die Brillanz dieser Leistungen, getragen von Koskys souveräner Regie und Antonio Pappanos aufschlussreicher musikalischer Leitung, die diese Produktion so überzeugend macht. Pappano erschließt eine Fülle neuer Klangfarben und lässt die Partitur wie neu entdeckt erscheinen.
Auch die visuelle Welt ist eindrucksvoll. Der erste Aufzug beginnt mit einem beinahe märchenhaften Bild: Mimes Hütte thront hoch oben in einem Baum und ist nur über eine steile Leiter erreichbar. In wachsender Frustration hämmert Mime vergeblich auf den Schwertfragmenten herum und schlägt sich im Takt des Orchesters sogar den Helm gegen den Kopf. Als er vom Wanderer erfährt, dass nur der Furchtlose Nothung neu schmieden kann, erkennt er, dass allein Siegfried dazu fähig ist.
Die Schmiedeszene wird zu einem theatralischen Spektakel von erstaunlicher Fantasie. Siegfried bringt komplexe, beinahe surreale Maschinen auf die Bühne – von einer Art, wie man sie noch nie gesehen hat – begleitet von Lärm, Rauch und Feuer, während das Schwert eingeschmolzen und neu geschmiedet wird. Seine überschäumende Energie bleibt dabei ungebrochen.
Der zweite Aufzug bringt einen vollständigen Wandel. Fafners Höhle erscheint als Haus auf einem schneebedeckten Hügel. Erda ist durchgehend präsent, oft auf einer Bank sitzend, und fungiert als eine Art visuelles Leitmotiv des gesamten Zyklus – meist unbekleidet. Während der Waldvogel-Szene übernimmt sie sogar die Rolle des Vogels, mit Federn und verlängerten Fingern, und bewegt die Lippen, als würde sie selbst singen.
Das Wechselspiel zwischen Siegfried und Mime erreicht hier neue komische Höhen. Fafner erscheint nicht als Drache, sondern als eine hoch aufragende, ganz in Gold gehüllte Gestalt, und seine Konfrontation mit Siegfried ist von überraschendem Humor geprägt, der zeitweise fast an Chaplin erinnert, bevor er schließlich stirbt.
Der dritte Aufzug beginnt mit einem starken Bild: Erda erhebt sich aus einem Berg von Kleidern, während ihr „Doppel“ weiterhin sichtbar bleibt. Christopher Maltmans Wanderer ist eindringlich und vermittelt mit großer Feinheit zunehmende Resignation und Verzweiflung. Die Konfrontation mit Siegfried ist intensiv und hebt dessen jugendliche Ungeduld und Respektlosigkeit hervor.
Dann die letzte Verwandlung: Brünnhildes Felsen ist kein karger Berg, sondern eine farbenprächtige, blühende Wiese. Ein großer Baum dominiert die Bühne, in dessen hohlem Stamm die allgegenwärtige Erda häufig erscheint.
Brünnhilde wird allmählich sichtbar – zunächst eine Hand, die aus der Erde ragt –, bis Elisabeth Strid vollständig erwacht. Ihre Darstellung zeigt eindrucksvoll den tiefgreifenden psychologischen Wandel von der göttlichen Kriegerin zur verletzlichen Frau – nicht ohne innere Konflikte. Ihre anfängliche Zurückhaltung angesichts von Siegfrieds überwältigender Leidenschaft ist fein nuanciert gestaltet.
Das Schlussduett ist sowohl emotional als auch visuell strahlend. Brünnhildes ekstatische Bewegungen über die blumenübersäte Bühne vermitteln eine Freude, die vollkommen verdient wirkt. Das Publikum reagiert mit großer Begeisterung und lang anhaltendem Applaus – ebenfalls vollkommen verdient.
Siegfried im Kino erleben
Eine Woche später hatte ich die Gelegenheit, die Produktion erneut zu sehen – diesmal im Kino in Wien. Es erwies sich als außergewöhnliche Ergänzung zur Live-Erfahrung.
Nicht alle Opernliebhaber haben die Möglichkeit, international zu reisen. Kinoübertragungen bieten einen unschätzbaren Zugang und bringen erstklassige Produktionen in lokale Gemeinschaften. Zugleich eröffnen sie neue Perspektiven: die Nähe zu den Darstellern, die Sichtbarkeit der Mimik, die Intimität der Details.
Oft werden diese Übertragungen durch Blicke hinter die Kulissen und Interviews ergänzt – diesmal unter anderem mit Antonio Pappano, technischem Personal und Regieassistenten –, was das Verständnis der Produktion weiter vertieft.
Ich bin überzeugt, dass Barrie Koskys Ring am Royal Opera House das Potenzial hat, der prägende Ring des 21. Jahrhunderts zu werden – vielleicht sogar der bedeutendste überhaupt. Das Leistungsniveau ist außergewöhnlich. Peter Hoares Mime und Andreas Schagers Siegfried sind unvergesslich; allein Hoares Mimik ist eine Studie des Charakterspiels, während Schagers Darstellung ein außergewöhnliches Intensitätsniveau erreicht.
Ich befand mich in einem Zustand echter Ekstase – möglicherweise noch verstärkt durch die filmische Perspektive, die weitere Ebenen dieser bemerkenswerten Produktion sichtbar machte.
Dieses Jahr bot bereits weitere Möglichkeiten, Wagner außerhalb des Opernhauses zu erleben: Tristan und Isolde aus der Metropolitan Opera wurde im März weltweit in Kinos übertragen, und Barcelona hat seine neue Tristan-Produktion online verfügbar gemacht. Zunehmend wird es möglich, Wagners Werke von zu Hause aus zu erleben – ohne ihren emotionalen Gehalt zu verlieren. Viele Opernhäuser öffnen sich diesen Möglichkeiten.
Die Internationale Vereinigung (RWVI) begrüßt diese Initiativen ausdrücklich und bemüht sich, sie unter ihren Mitgliedsgesellschaften bekannt zu machen.
Nicht alle Opernliebhaber haben die Möglichkeit, international zu reisen. Kinoübertragungen bieten einen unschätzbaren Zugang und bringen erstklassige Produktionen in lokale Gemeinschaften. Zugleich eröffnen sie neue Perspektiven: die Nähe zu den Darstellern, die Sichtbarkeit der Mimik, die Intimität der Details.
Oft werden diese Übertragungen durch Blicke hinter die Kulissen und Interviews ergänzt – diesmal unter anderem mit Antonio Pappano, technischem Personal und Regieassistenten –, was das Verständnis der Produktion weiter vertieft.
Ich bin überzeugt, dass Barrie Koskys Ring am Royal Opera House das Potenzial hat, der prägende Ring des 21. Jahrhunderts zu werden – vielleicht sogar der bedeutendste überhaupt. Das Leistungsniveau ist außergewöhnlich. Peter Hoares Mime und Andreas Schagers Siegfried sind unvergesslich; allein Hoares Mimik ist eine Studie des Charakterspiels, während Schagers Darstellung ein außergewöhnliches Intensitätsniveau erreicht.
Ich befand mich in einem Zustand echter Ekstase – möglicherweise noch verstärkt durch die filmische Perspektive, die weitere Ebenen dieser bemerkenswerten Produktion sichtbar machte.
Dieses Jahr bot bereits weitere Möglichkeiten, Wagner außerhalb des Opernhauses zu erleben: Tristan und Isolde aus der Metropolitan Opera wurde im März weltweit in Kinos übertragen, und Barcelona hat seine neue Tristan-Produktion online verfügbar gemacht. Zunehmend wird es möglich, Wagners Werke von zu Hause aus zu erleben – ohne ihren emotionalen Gehalt zu verlieren. Viele Opernhäuser öffnen sich diesen Möglichkeiten.
Die Internationale Vereinigung (RWVI) begrüßt diese Initiativen ausdrücklich und bemüht sich, sie unter ihren Mitgliedsgesellschaften bekannt zu machen.
Selma Gudmundsdottir




