© Badisches Staatstheater Karlsruhe, Siegfried 2019

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24.08.2026
Musik im Wald: Wenn der Wald zu singen beginnt

– Manchmal muss man den Wald nicht verlassen, um Musik zu hören – man muss nur zuhören, wenn sie aus ihm heraufsteigt. Genau das war die Idee hinter „Musik im Wald“, dem festlichen Abend, mit dem der RWVI das 150-jährige Jubiläum der Bayreuther Festspiele feierte. Im Schlosspark Fantaisie verschmolzen an diesem Abend Musik, Geschichte und Natur zu einem Erlebnis, das weit über ein klassisches Konzert hinausging – und das gerade jüngeres Publikum ansprechen sollte: Studierende und junge Musikbegeisterte unter 35 zahlten nur die Hälfte des regulären Preises.

Der Wettergott spielte an diesem Abend allerdings nicht ganz mit: Es regnete fast durchgehend, sodass Aperitif, Menü und Lesung kurzerhand ins Café Schloss Fantaisie verlegt wurden. Nur ein Programmpunkt ließ sich davon nicht beirren – und wurde dadurch nur noch magischer.

Der Abend im Überblick

Wer früh kam, wurde belohnt: Ab 17 Uhr öffnete sich das legendäre Wagnerzimmer, nur wenige Schritte vom Café Schloss Fantaisie entfernt, für eine exklusive Führung. Hier bezog Richard Wagner im April 1872 für fünf Monate Quartier, bevor das Festspielhaus überhaupt existierte – ein Ort, an dem Geschichte noch spürbar ist, mit originalem Mobiliar und einer Atmosphäre, die bis heute für private Konzerte und Lesungen genutzt wird.

Um 18:30 Uhr öffnete dann das Café Schloss Fantaisie seine Türen, bevor um 19 Uhr der eigentliche Abend begann: Aperitif und Vorspeise, begleitet von Musik und Geschichte – wegen des Regens gemütlich im Café statt auf der Terrasse. Der zweite Gang folgte um 20:15 Uhr, ebenfalls drinnen, ehe um 21 Uhr eine literarische Zeitreise anstand. Höhepunkt und große Überraschung des Abends war das Konzert im Wald um 21:30 Uhr – trotz Regen mitten im Freien. Der Abend klang um 22 Uhr bei Dessert im Café aus.

Die Beiträge und Mitwirkenden

Der Abend lebte von Stimmen, die Geschichte und Musik gleichermaßen zum Klingen brachten.

Dr. Frank Piontek, Bayreuther Wagner-Kenner mit zahlreichen Büchern und Aufsätzen zu seinem Namen (darunter Genius loci. 150 Jahre Richard Wagner in Fantaisie), führte die Gäste beim Aperitif im Café zurück ins Jahr 1872: Er berichtete von der Grundsteinlegung des Festspielhauses am 22. Mai jenes Jahres – dem eigentlichen Anlass des Jubiläumsabends.

Musikalisch begleitet wurde dieser Moment von Maaike Hupperetz, niederländische Sopranistin und Mitglied des Festspielchors, die mehrere Wesendonck-Lieder sang. Die junge Sängerin, ausgezeichnet mit dem Wagner-Stipendium und mit Konzerterfahrung von Kreta bis zum Vatikan, brachte damit einen Hauch großer Bühnenerfahrung in den intimen, regensicheren Rahmen des Cafés.

Nach dem zweiten Gang übernahm Birgit Franz das Wort: Die Schauspielerin der Studiobühne Bayreuth las im Café aus Cosima Wagners Tagebuch und erzählte dabei vom Aufenthalt der Familie Wagner im Wagnerzimmer – und davon, wie der Park selbst den Meister inspirierte. Eine Lesung, die die Orte des Abends – Wagnerzimmer, Café, Park – noch einmal literarisch miteinander verwob, auch wenn der Blick durchs Fenster diesmal grau in grau war.

Das Überraschungskonzert im Wald

Der eigentliche Clou des Abends aber war akustisch – und kam trotz Regen aus dem Dunkel der Bäume. Um 21:30 Uhr verstummten die Gespräche im Café, die Gäste wagten sich hinaus in den tropfnassen Park, und aus dem Wald erklang Musik: ein Moment, der bewusst an jene intimen Musikabende erinnern sollte, die Wagner selbst so schätzte – und der durch den Regen, der auf Blätter und Blech prasselte, eine ganz eigene, fast geheimnisvolle Stimmung bekam.

Für die Überraschung sorgte Saaser Blech, der jüngste Posaunenchor der Region – jung in doppelter Hinsicht: Erst im Sommer 2022 aus einer spontanen Idee dreier Freunde entstanden, die nach ihrer Zeit im Bayerischen Landesjugendposaunenchor gemeinsam weitermusizieren wollten, liegt der Altersdurchschnitt des mittlerweile rund 14-köpfigen Ensembles unter 30 Jahren. Abiturientinnen, Studenten und berufstätige Eltern verbindet dabei vor allem eines: die Musik und eine enge Freundschaft.

Das Programm im Wald spannte einen weiten Bogen – von Anton Bruckners Locus iste über Wagners Vorspiel zu den Meistersingern und den Pilgerchor aus Tannhäuser bis zu Mendelssohns Elias und modernen Werken wie Jacob de Haans Yellow Mountains oder Dieter Wendels Friedensgebet Dona nobis pacem. Wer wissen wollte, wie Bach und Filmmusik in einem Ensemble zusammenfinden können, das entdeckte es genau hier – mitten im nassen Wald, unter tropfenden Bäumen, mit Blechbläserklang, der zwischen den Stämmen widerhallte.


„Musik im Wald“ war mehr als ein Konzertabend – es war eine Einladung, Bayreuths Wagner-Geschichte auf neue, junge Art zu erleben: bei gutem Essen, literarischen Zeitreisen und einem Überraschungsmoment, der selbst dem Regen trotzte und zeigte, dass klassische Musik dort am schönsten klingt, wo man sie am wenigsten erwartet.