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Die Vorsitzende Arabella Hellmann erzählt, wie sich eine mutige Idee zu einer professionellen Opernproduktion und zugleich zu einem Projekt für die gesamte Gemeinschaft entwickelte.
Warum Wagner immer nur anschauen und anhören, wenn man sein Werk auch selbst auf die Bühne bringen kann? Aus diesem Gedanken heraus realisierte der Richard-Wagner-Ortsverband Ammersee 2022 seine erste eigene Produktion: Der fliegende Holländer, aufgeführt direkt am Ufer des Ammersees.
„Für uns war es ein großes Experiment", erzählt die Vorsitzende Arabella Hellmann. „Wir wollten Wagner aus dem klassischen Opernhaus herausholen und an einen Ort bringen, an dem man ihn nicht unmittelbar erwartet. Dass daraus für das Publikum und alle Beteiligten ein so besonderes Erlebnis wurde, hat uns selbst überrascht."
Der Erfolg machte Lust auf mehr. Doch der Ortsverband wollte nicht einfach dasselbe Konzept wiederholen. Mit Tannhäuser goes Ammersee, im Juli 2026 im Carl Orff Museum in Dießen aufgeführt, wurde bewusst der nächste Schritt gewagt — musikalisch, organisatorisch und hinsichtlich der Größe des gesamten Projekts.
Die Tür zu Wagner öffnen
Der Ortsverband möchte Wagners Werk nicht nur bewahren und darüber sprechen, sondern es vor allem lebendig halten. Eine eigene Produktion bietet darüber hinaus die Möglichkeit, Menschen zu erreichen, die nicht ohne Weiteres eine Wagner-Oper in einem traditionellen Opernhaus besuchen würden.
„Die Besucher müssen nicht zuerst das Libretto gelesen haben oder viel über Wagner wissen", sagt Hellmann. „Sie dürfen einfach kommen, zuhören, zuschauen und die Atmosphäre erleben. Danach können sie selbst herausfinden, ob diese Musik sie berührt."
Eine Open-Air-Produktion verlangt allerdings Flexibilität. Außerhalb des Opernhauses spielen Tageslicht, Umgebungsgeräusche und vor allem das Wetter eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sorgt gerade diese Umgebung für ein besonderes Erlebnis. Wenn Natur, Abendlicht und Musik zusammenkommen, entstehen Momente, die in einem Opernhaus nur schwer nachzubilden sind.
Ammersee bewies zudem, dass Wagner auch mit einem kleineren Orchester, begrenzten Mitteln und kreativen räumlichen Lösungen auf hohem Niveau aufgeführt werden kann. Entscheidend sind nach Ansicht Hellmanns die Menschen, die bereit sind, sich mit ganzer Kraft auf ein solches Abenteuer einzulassen.
Eine Oper als Gemeinschaftsprojekt
Hinter wenigen Aufführungen stehen Monate, häufig sogar Jahre der Vorbereitung. Finanzierung, Förderanträge, Proben, Unterbringung, Technik, Kostüme, Öffentlichkeitsarbeit und Kartenverkauf mussten von einem vergleichsweise kleinen Ortsverband organisiert werden.
Doch dieser enorme Einsatz führte zu weit mehr als nur einigen gelungenen Aufführungen. Mitglieder übernahmen Verantwortung, ehrenamtliche Helfer aus der Umgebung unterstützten das Projekt, Gastfamilien nahmen Künstler auf und lokale Partner und Förderer schlossen sich der Initiative an. So wurde Tannhäuser goes Ammersee zu einem Projekt der gesamten Gemeinschaft. In der Region war schon bald von „unserem Tannhäuser" die Rede.
Auch junge Künstlerinnen und Künstler sowie internationale Stipendiatinnen und Stipendiaten nahmen innerhalb der Produktion einen wichtigen Platz ein. Nachwuchsförderung bedeutet für den Ortsverband mehr als die einmalige Vergabe eines Stipendiums. Junge Sängerinnen, Sänger und Instrumentalisten erhielten die Möglichkeit, Bühnenerfahrung zu sammeln und mit erfahrenen Künstlern zusammenzuarbeiten. Auch hinter den Kulissen konnten ehemalige Stipendiatinnen und Stipendiaten Verantwortung übernehmen.
Was können andere Ortsverbände daraus lernen
Nicht jeder Ortsverband muss sofort eine vollständige Oper produzieren. Ein szenisches Konzert, eine Kooperation mit einer Kulturorganisation oder ein Projekt mit jungen Künstlerinnen und Künstlern kann ebenfalls ein wertvoller erster Schritt sein.
Die wichtigste Erkenntnis aus Ammersee lautet deshalb nach Ansicht Hellmanns: Nicht mit der Frage beginnen, was alles unmöglich ist, sondern herausfinden, was möglich ist.
„Wenn Menschen wirklich für eine Idee brennen, können auch aus einem kleinen Ortsverband erstaunlich große Dinge entstehen."




