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Vier Fragen an die Flötistin und Komponistin Nikka Gershman, neues Mitglied der Wagner Society of New York
Nikka Gershman studiert an der Juilliard School in New York, wo sie als jüngste Studentin aller Zeiten ein Kovner Fellowship erhielt. Sie ist Gründerin der Music Society of the Future und engagiert sich als Interpretin und Komponistin für neues Repertoire für die Flöte. Ihre Kompositionen und Arrangements werden von der Theodore Presser Company verlegt.
1. Warum bist du Mitglied deines Ortsverbands geworden?
Im vergangenen Frühjahr belegte ich an der Juilliard School den Kurs The Ring and Its Influence von Dr. Wayne Oquin. Jede Woche beschäftigten wir uns mit einem Akt des Ring. Bei Die Walküre war ich vom zweiten Akt so ergriffen, dass ich unmöglich eine Woche auf den dritten warten konnte. Als ich ihn zum ersten Mal hörte, war ich völlig überwältigt. Es war die schönste Musik, die ich je gehört hatte.
Kurz darauf erfuhr ich, dass Dr. Oquin bei der Wagner Society of New York einen Vortrag über Tristan und Isolde halten würde. Ich wurde sofort Mitglied — und bestellte meine WSNY-Anstecknadel, die ich mit Stolz trage. Wagners Idee der Zukunftsmusik, zusammen mit der besonderen Gemeinschaft der WSNY, inspirierte mich außerdem dazu, meine eigene Music Society of the Future zu gründen.
2. Erinnerst du dich an deine erste Begegnung mit Wagners Musik?
Sehr gut. Es ist sogar eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen. Ich war drei Jahre alt. Meine Mutter, Kunsthistorikerin und Museumspädagogin, arbeitete damals am Getty Museum und war mit der LA Opera verbunden, die 2010 den Ring unter der Leitung von James Conlon aufführte.
Eines Tages kam sie nach Hause, legte den Walkürenritt auf und nahm mich in ihre Arme. Sie sagte: „Lass uns gemeinsam mit den Walküren fliegen." Als ich fragte, wer die Walküren seien, antwortete sie: „Das sind die Töchter des Gottes." Meine Liebe zu Wagner begann also schon, bevor ich selbst Musik machte.
3. Was hoffst du als neues Mitglied zu entdecken?
Vor allem Parsifal. Ich zähle die Tage bis zur Produktion der Metropolitan Opera im Mai 2027. Die Wagner Society of New York organisiert Vorträge rund um die Wagner-Produktionen der Met. Ich freue mich sehr darauf, Parsifal nicht nur im Theater zu erleben, sondern durch diese Vorträge auch mehr über das Werk zu erfahren.
4. Was ist deine Lieblingsoper von Wagner — und warum?
Meistens ist meine Lieblingsoper von Wagner diejenige, die ich gerade höre! Von Die Walküre, Götterdämmerung und Tristan und Isolde kann ich nie genug bekommen.
Zu Tristan habe ich jedoch eine besondere Beziehung. Ich habe eine Konzertsuite für Flöte und Klavier geschaffen, die auf den Vorspielen des ersten und dritten Aktes, dem Englischhorn-Solo und dem Liebestod basiert.
Auf dem Höhepunkt des Liebestods erreicht die Flöte einen ihrer höchsten Töne. Diese extreme Spannung, gefolgt von der stillen Auflösung, spiegelt für mich genau das wider, was im Drama geschieht: Leiden, das in eine beinahe metaphysische Befreiung verwandelt wird.
Der Liebestod-Teil wurde inzwischen von der Theodore Presser Company als Teil meiner Three Operatic Encores veröffentlicht. Bei meinem Abschlussrezital an der Juilliard School werde ich die vollständige Konzertsuite zum ersten Mal aufführen.




